Die Ursprünge und der Entstehungszeitpunkt des Tarot sind unklar. Zwar gibt es Stimmen, die behaupten, dass das Tarot durch die Entstehung der Spielkarten im 14. Jahrhundert auch bald als Mittel zur 'Wahrsagerei' benutzt wurde, aber andere Quellen verlegen die Entstehung des Tarot auf einen viel früheren Zeitpunkt. Einige glauben, dass sogar die alten Ägypter und Mayas schon tarotartige Systeme benutzten, dafür gibt es jedoch nach unserem heutigen Wissensstand keine Beweise.

Im Grunde ist der genaue Zeitpunkt der Entstehung auch irrelevant, denn die eigentlichen Inhalte des Tarot sind so alt wie der Mensch denken kann, da sie auf
archetypischen Symbolen beruhen, die uns bewusst oder unbewusst immer wieder begegnen, z.B. in unseren Träumen.

Auch die 
Psychoanalyse versucht Trauminhalte zu deuten, die auf einer sehr ähnlichen Symbolsprache basieren, wie die des Tarot.

Die Interpretation eines Symbols, wie auch ein
Symbol selbst, ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig, wie z.B. von historischen, kulturellen, religiösen oder auch von individuellen Einflüssen. Eine schwarze Katze z.B. hat eine ganz andere Bedeutung für einen Menschen, der tatsächlich eine schwarze Katze als Haustier hat, als für einen Menschen, der kein Interesse an Katzen hat oder für einen Menschen dem Katzen gar zuwider sind. Eine männliche Schlüsselfigur hat eine andere Bedeutung für eine Frau, als für einen Mann und die Differenzierungen der männlichen Figuren im Tarot haben auch wiederum eine ganz individuelle Bedeutung. So kann man in der Interpretation der einzelnen Symbole immer mehr in die Tiefe und ins Detail gehen, wobei man immer die persönlichen Hintergründe des Einzelnen in die Interpretation einbinden sollte, damit sich ein sinnvolles Bild ergibt.

 

Einige Kartenleger interpretieren die Tarotkarten sehr bildlich, wie z.B. durch die äußeren Merkmale eines Menschen, wie der Haarfarbe, Augenfarbe und Körpergestalt, während andere Kartenleger diese äußeren Merkmale, die die einzelnen Figuren im Tarot Deck kennzeichnen, eher symbolisch verstehen.

Die
chinesische Astrologie oder auch das I-Ging machen deutlich wie unterschiedlich Symbole allein durch den kulturellen Hintergrund wirken. Die Metaphern, die im chinesischen Raum benutzt werden, sind in ihrer Tiefe nur wirklich zu verstehen, wenn man die chinesische Tradition, Religion und Geschichte mit in Betracht zieht.

Die im I-Ging verwendeten Symbolinhalte wie das Meer, der Berg, der Fluss, die Erde, der Himmel, haben eine ganz andere Bedeutung für einen Menschen, der als Kind eines chinesischen Fischers in der Natur aufgewachsen ist, als für einen Großstadtmenschen der westlichen Welt.

 

 



Für diejenigen, die mit einem klassischen Tarotdeck von 78 Karten arbeiten, gibt es im Grunde zwei Hauptdecks, die nach wie vor am häufigsten benutzt werden: das Rider Waite Tarot, das von dem Logenmitglied des Golden Dawn, Arthur Edward Waite, zusammen mit der Malerin Pamela Colman Smith kreiert und 1910 publiziert wurde, und das von dem bekannten Okkultisten Aleister Crowley und der Malerin Lady Frieda Harris entwickelte 'Thoth-Deck', das in den 1940er Jahren vollendet, jedoch erst 1969, zum Höhepunkt der Hippy- und Psychodelic-Kultur, publiziert wurde.

 

 

 

Die Karten I Der Magier aus dem Rider Waite Tarot und I Der Magier aus dem Thoth Deck

 

 

Durch den allgemeinen Tarot-Trend gibt es heutzutage Tausende von verschiedenen Tarot-Decks, Engelskarten, Orakelkarten u.v.m, von denen ich für eine effektive Arbeit mit dem Tarot im Sinne der Selbsterkenntnis und Selbstreflexion nur einige für geeignet halte. Zeitgenössische Decks (z.B. Gay-Tarot, Katzen-Tarot, Orakel 2012) sind vielen Trends unterworfen. Viele dieser Decks sind eher für Sammler geeignet, als zur professionellen Beratung, da sie nicht auf einem bestimmten System aufbauen und da es für die meisten dieser Decks auch keine Hintergrundliteratur gibt.

 



 




Einen Einblick in die Auswahl an Tarot-Decks kann man sich auf der sehr umfangreichen Website www.aeclectic.net verschaffen.

 

 

 


Eine andere Variante zu Tarotkarten sind Kipperkarten und Zigeunerkarten, die aber auf einem ganz anderen System basieren, als Tarotkarten und die in der Regel aus 36 bebilderten Karten bestehen.

 

 

Die beiden Tarotkarten, VI Die Liebenden und der Trumpf VIII Die Gerechtigkeit, stammen aus einem Künstlerdeck das von Albrecht Dürers Arbeiten inspiriert wurde.



Der italienische Künstler, Designer und Illustrator Giacinto Gaudenzi hat das Dürer Deck nach Motiven des bekannten Künstlers, Mathematikers und Astrologie Interessierten Albrecht Dürer gestaltet. Künstlerdecks sind mittlerweile von vielen Malern der Kunstgeschichte erhältlich.

 



Besonders geeignet für Astrologen, Psychologen und auch für jene, die sich auf eine Reise in innere Welten und deren äussere Zusammenhänge begeben wollen, sind die Symbolon Karten. Dieses Deck wurde in den 80er Jahren von den Psychologen und Astrologen Dr. Peter Orban und Ingrid Zinnel kreiert. Die 78 Karten sind mit eindrucksvollen, symbolbezogenen Bildern ausgestattet. Jede Karte hat ihre individuellen, astrologischen Zuordnungen.

Das Symbolon Deck eignet sich auch um Horoskope aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten und sie dadurch auf einer tieferen Ebene verstehen zu können, da die astrologischen Aspekte hier in Bildern ausgedrückt werden, die schwer verbalisierbare Zustände und Schwingungen des Unbewussten dem Bewusstsein zugänglicher machen können.

 

 

Krebs/Stier - Mond/Venus Symbolon Karte: 'Die zwei Gesichter der Eva'. Diese Karte thematisiert den Konflikt zwischen den Verpflichtungen von Mutterschaft und Ehefrau (Krebs/Mond) und denen der Geliebten-Rolle (Stier/Venus).

 



Bei der Wahl des Kartendecks ist es ausschlaggebend aus welchem Grund man die Karten befragt. Wenn man nach einigen inspirierenden Denkanstößen sucht, können neuzeitliche Orakelkarten (Engel-Orakel, Göttinnen-Orakel ect) durchaus ihren Zweck erfüllen. Man braucht keine Einarbeitungszeit und keine Vorkenntnisse und man muss keine komplizierten Legesysteme erlernen.

Wenn ich vielschichtige Zusammenhänge erkennen will, wenn ich nach Ursachen von Problemen suche, wenn ich 'Baustellen' und Schattenthemen erkennen möchte; wenn ich mir also einen tieferen Einblick in bestimmte Lebensbereiche verschaffen möchte, greife ich zu einem klassischen Tarot-Deck. Für eine anregende Inspiration oder sozusagen als eine seelische Streicheleinheit können neuzeitliche Orakelkarten nützlicher sein, da diese den Fokus auf positive Affirmationen richten.

 


 

Astrologische Lenormandkarten von Dr. Hildegard Leiding

 

 

 

Ich selbst habe mit 17 Jahren mein erstes Deck geschenkt bekommen. Es war das Golden Dawn Deck, das mir persönlich nicht zusagte. Ich konnte keinen Zugang zu diesem Deck finden. Ich entschied mich kurz darauf für das Thoth-Deck, das ich bis vor einigen Jahren ausschliesslich benutzte.

Der individuelle Geschmack ist bei der Wahl eines geeigneten Tarot-Decks sehr entscheidend. Unmittelbar damit verbunden ist auch die Denkstruktur und die Wahrnehmung des Praktizierenden, da man durch die Arbeit mit einem bestimmten Deck auch mit der Denkweise des Menschen in Berührung kommt, der das jeweilige Deck erstellt hat.


Ich denke, es ist nachvollziehbar, dass beim Kartenlegen bestimmte Einsichten verborgen bleiben, wenn wir uns vor ihnen verschließen. Von daher kann man mit dem Tarot nicht weiter sehen, als man selbst für bestimmte Einsichten bereit ist. Man wird also kaum etwas sehen können, was man nicht sehen will, bzw. wofür man noch nicht bereit ist. Das hat wahrscheinlich seine Berechtigung. Allerdings sollte man das Tarot auch nicht unterschätzen, denn die Ursymbole, die auf den einzelnen Karten abgebildet sind, lösen etwas aus in unserem Unbewussten. Von daher sollte man bereit sein sich auf eine spannende Entdeckungsreise in innere Welten zu begeben, wenn man anfängt sich mit dem Tarot zu beschäftigen.

 

 

 

Trumpf VII Der Wagen aus der restaurierten Version des Tarot De Marseille



Durch die liebevolle und aufwendige Restauration eines der ersten uns bekannten Tarot-Decks, dem Tarot De Marseille, durch Alejandro Jodorowsky in der Zusammenarbeit mit Phillippe Caimon, der ein direkter Nachfahre des ursprünglichen Erschaffers des Tarot de Marseille ist, steht uns heute dieses alte Tarot-Deck, ursprünglich aus Holzschnitten gefertigt, in einer besonders schönen Ausführung zur Verfügung. Begleitend zu dem restaurierten und überarbeiteten Deck hat Alejandro Jodorowsky ein Buch zusammen mit seiner Lebensgefährtin Marianne Costa herausgebracht, in dem er dieses Deck und das Tarot als solches, auf eine innovative Art analysiert und neu interpretiert. In diesem Buch wird verstärkt Wert darauf gelegt, dem Leser zu verdeutlichen, dass das Tarot ein sehr umfangreiches, vielfältiges System ist, welches nicht Karte für Karte nach dem Prinzip von 'Kochrezept-Buch-Logik' schubladenartig gedeutet werden kann, sondern dass jede Karte immer im Zusammenhang mit den umliegenden Karten interpretiert werden sollte.

Beim Tarot sowie auch bei anderen Symbolsystemen gilt der gleiche Grundsatz wie in der
Psychologie: 'Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile'.

Einen Haken sehe ich in den Erläuterungen von Jodorowsky in seiner eigenen Interpretation der numerologischen Anordnungen; ein System, das in sich nicht schlüssig ist. Als positiv empfinde ich, dass sich Jodorowsky in seinem Buch ausführlich den Deutungen von Kartenkombinationen widmet, denn gerade die Interpretationen von Kombinationen sind es, die dem Einsteiger oft die grössten Schwierigkeiten bereiten. Jede Karte kann verschiedene Bedeutungen haben, je nachdem an welcher Stelle sie innerhalb einer Legung auftaucht, welche Frage den Ausgangspunkt bildet und mit
welchen anderen Karten sie im Zusammenhang liegt.

 

 

 

 

Die 22 Arkana des Tarot de Marseille

 

 

 

 

Als Arkana (Arcanum: Latein für 'Geheimnis') werden die 22 Trümpfe von 0 - 21 im Tarot bezeichnet. Ein klassisches Tarot-Deck besteht insgesamt aus 78 Karten; aus 22 Trümpfen und 56 sogenannten kleinen Arkana, unterteilt in 16 Hofkarten (Personenkarten) und in 40 Elementarkarten (1-10 der Stäbe: Element Feuer= Geist, Energie, Tatkraft, Inspiration. 1-10 der Kelche: Element Wasser= Gefühlswelt, Emotionen, Phantasie, empfangende Prinzipien. 1-10 der Schwerter: Element Luft= Intellekt, Gedankenwelten- und Strukturen, mentale, kommunikative Fähigkeiten. 1-10 der Scheiben: Element Erde= die materielle Welt; Geld, Besitz, Körper, materielle Manifestationen der anderen Elemente).

 

 

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