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"Sei eine erstklassige Ausgabe Deiner Selbst, keine zweitklassige Ausgabe von jemand anderem."

Judy Garland

Tierkreiszeichen Widder, Johfra Bosschard

Der goldene Oktober bietet uns gleich zum Anfang des Monats einen Vollmond, der das Thema Beziehungen in den Fokus rückt. Am 01.10. findet der erste von zwei Vollmonden statt, der zweite findet dann am 31.10. zu Halloween statt. In der populär Astrologie wird ein zweiter Vollmond, der innerhalb eines Monats stattfindet, als „Blue Moon“ bezeichnet. Im Englischen gibt es die Redewendung „once in a blue moon“, was frei übersetzt soviel wie „alle Jubeljahre mal“ bedeutet. Die Bezeichnung „Blue Moon“ soll also verdeutlichen, dass es sich um etwas Ungewöhnliches handelt, das nur selten passiert.

Beide Vollmonde bieten uns besondere Wachstums- und Veränderungschancen im Beziehungsbereich, sie rufen jedoch ganz unterschiedliche Beziehungsthemen auf den Plan. Aber eins nach dem anderen; in diesem Text konzentriere ich mich nun erst mal auf den ersten Vollmond, der am 1. Oktober in der ersten Dekade Widder stattfindet. Es handelt sich um den ersten Vollmond, der stattfindet, nachdem Mars, der Herrscher des Widders, am 10.09.2020 in der dritten Dekade Widder rückläufig* wurde. Passenderweise ist der erste Vollmond ausgerechnet ein Vollmond im Widder; wie bestellt und angekommen! Da uns ein Vollmond immer besondere Chancen gibt uns über unbewusste Vorgänge bewusst zu werden, bietet uns diese Zeitqualität eine gute Gelegenheit um eine Zwischenbilanz zu ziehen. Durch den Vollmond im Widder können wir uns ein klareres Bild davon machen wie wir persönlich die Mars-Widder-Themen leben und was wir dahingehend vielleicht verändern wollen.

* Ausführlicher Text zur Rückläufigkeitsphase von Mars im Widder 2020: https://symbolsysteme.blogspot.com/2020/08/rucklaufiger-mars-im-widder-september.html und das Video zum rückläufigen Mars im Widder 2020: https://symbolsysteme.blogspot.com/2020/09/rucklaufiger-mars-im-widder-2020-tabula.html

Astrologische Grafik: Vollmond 9° Widder, 01.10.2020, 23:05h MESZ

Chiron, der „verwundete Heiler“

Die Sonne befindet sich zum Vollmond auf 9° Waage und der Mond befindet sich auf 9° im gegenüberliegenden Widder. Der Mond bildet eine Konjunktion zum rückläufigen Chiron, der sich auf 7° Widder befindet. Chiron ist ein Asteroid (Kleinplanet), der in Astrologie-Kreisen oft als der „verwundete Heiler“ bezeichnet wird. Dieser Titel geht auf einen bestimmten Teil der Geschichte der mythologischen Figur zurück, nach der dieser Asteroid benannt wurde.

Chiron unterrichtet den jungen Achilles, John Singer Sargent, Wikimedia

Chiron war ein Zentaur, ein mythisches Mischwesen, das halb Tier und halb Mensch war. Die obere Hälfte seines Körpers war menschlicher Natur und von der Taille abwärts hatte er einen Pferdekörper. Saturn*, der Gott der Ackerbaus und der Aussaat, hatte sich der Titanentochter Philyra in Gestalt eines Pferdes genähert und sie auf diese Art begattet. Da Saturn mit Ops** verheiratet war, wollte er seine Untreue verbergen, indem er sich zur Tarnung in ein Pferd verwandelt hat. Philyra wurde von Saturn geschwängert und da sie einen menschlichen Körper hatte und er zur Zeit der Zeugung einen Pferdekörper hatte, wurde das Kind, das aus der Begattung hervorging, als ein Zentaur geboren.

Philyra empfand ihr außergewöhnliches Kind als eine Missgeburt und da sie zutiefst beschämt war ein solches Wesen hervorgebracht zu haben, verstieß sie ihr Zentaur-Baby gleich nach dessen Geburt. Ihre Scham konnte sie aber auch nachdem sie ihr Kind verstoßen hat nicht loswerden. Philyra bat den Gottvater Jupiter*** ihre Gestalt zu verändern. Ihr Wunsch wurde ihr gewährt und Jupiter verwandelte sie in eine Linde. Die Linde ist ein Symbol für Gerechtigkeit, Liebe, Frieden, Heimat und sie fungiert als ein Platz der Gemeinschaft. Die Linde ist eine „mütterliche Baumpersönlichkeit“, die mit ihren herzförmigen Blättern, ihrem süßem Blütenduft und ihrer ausladenden Baumkrone ein Gefühl der Geborgenheit vermittelt.**** Als „mütterlicher Baum“ konnte Philyra der Welt dann etwas geben, was sie ihrem eigenen Kind nicht geben konnte.

* Der römische Gott Saturn wurde der griechischen Mythologie entlehnt, in der er den Namen Kronos trug.

** Saturns Frau Ops wurde ebenfalls der griechischen Mythologie entlehnt, in der sie Rhea hieß.

*** Der römische Gott Jupiter wurde dem obersten Gott der griechischen Mythologie entlehnt, in der er den Namen Zeus trug.

**** Quelle zur symbolischen Bedeutung von Bäumen: https://www.uni-goettingen.de/de/symbolik-der-linde/41770.html

Dieser Teil des Mythos lässt Spielraum für unterschiedliche Interpretationen, denn die Begattung von Philyra kann auch als eine Vergewaltigung verstanden werden. In dem Fall könnte Philyra eine doppelte Scham empfunden haben, zum einen die Scham vergewaltigt worden zu sein und zum anderen die Scham ein Geschöpf auf die Welt zu bringen, dessen körperliche Erscheinung sehr deutlich zeigt, dass es nicht von einem männlichen Wesen ihrer Art gezeugt wurde. Wenn Philyra zu ihrem Kind gestanden hätte, hätte sie auch zu der Tatsache stehen müssen, dass sie Sex mit einem Pferd* gehabt hat. Eine weitere Interpretation lässt den Gedanken zu, dass Philyra durchaus Gefallen daran gefunden haben könnte von einem Hengst begattet zu werden, denn der Geschlechtsakt mit Pferden ist seit jeher eine verbreitete sexuelle Phantasie. Da sexuelle Phantasien oft mit Tabus behaftet sind, sind sie auch häufig mit Scham besetzt. Nicht selten müssen Kinder unter der unverarbeiteten Scham ihrer Eltern leiden, denn eine nicht verarbeitete Scham der Eltern wird auf die eine oder andere Art auf ihre Kinder übertragen. Im Chiron Mythos spielt das Thema Ablehnung eine entscheidende Rolle und die Scham, die oft aus der Ablehnung resultiert.

* Ergänzung: oft gibt es zu den Mythen verschiedene Versionen, ähnlich wie es verschiedene Bibelversionen gibt. Je nachdem wann und von wem die jeweilige Version verfasst wurde, wird der Mythos unterschiedlich geschildert. Es gibt auch eine Version von dem Mythos von Chiron, in der sich Philyra in eine Stute verwandelt hat, um schneller vor Saturn/Kronos fliehen zu können. Da er sich daraufhin in einen Hengst verwandelt hat, konnte er sie aber doch noch einholen und sie dann besteigen. Aus dieser Fassung geht deutlich hervor, dass es sich um eine Vergewaltigung handelte. Dennoch beziehe ich mich in diesem Text auf die Version, in der davon ausgegangen wird, dass Philyra einen menschlichen Körper hatte, weil das so schön verdeutlicht warum Chiron halb Pferd und halb Mensch war.    

Das Schicksal meinte es aber gut mit Chiron und er sollte nicht als Waisenkind verenden. Apollon, der Sonnengott und Artemis, die Mondgöttin, nahmen den jungen Zentaur unter ihre Fittiche und sie unterwiesen ihn in zahlreichen Disziplinen, unter anderem lehrten sie ihn das Bogenschießen und die Heilkunst. Chiron entwickelte sich prächtig und im Laufe der Jahre wurde er selbst zu einem hochrangigen Lehrmeister. Chiron unterrichtete die größten Heroen der Antike und sogar einige Götter lernten von ihm. Chiron war als der weiseste, gerechteste und kultivierteste Zentaur bekannt, denn die anderen Zentauren galten als rohe, primitive Raufbolde, die auf ihren Streifzügen auch vor Plünderungen, Nötigungen und Vergewaltigungen nicht zurückschreckten. Die meisten Zentauren waren bei den Menschen wie bei den Göttern unbeliebt und sie wurden sehr gefürchtet.

Eines Tages gerieten die Zentauren wieder einmal in einen Streit, bei dem es dann wild zur Sache ging. Der Held Herakles (Herkules) war zu Gast bei den Zentauren. Herakles wurde zur Zielscheibe ihrer Wut als Pholus, einer der Zentauren, der wie Chiron kultivierter war, einen Krug Wein mit dem Helden teilen wollte. Der Alkohol war den Zentauren vom Wein- und Ekstase-Gott Dionysos gestiftet worden und sie sahen es offenbar überhaupt nicht ein ihn mit Herakles zu teilen. Zwischen den Zentauren und Herakles entbrannte ein wildes Gefecht, bei dem dann mehrere Zentauren von Herakles getötet wurden. Auch Chiron geriet in diese Rangelei, vielleicht wollte er den Streit zwischen Herakles und seinen Artgenossen schlichten. Wie es das Schicksal wollte wurde Chiron im Eifer des Gefechts von einem der vergifteten Pfeile des Herakles am Knie getroffen.

Der Mythos lässt die Frage offen, ob Chiron aufgrund seiner eigenen Unvorsichtigkeit verletzt wurde oder ob seine Verwundung durch die Unachtsamkeit von Herakles zustande kam. Die Schuldfrage konnte also nie ganz geklärt werden, was eine entscheidende Rolle im Mythos von Chiron spielt. Auf jeden Fall handelte es sich aber um einen schrecklichen Unfall, der Chiron von da an dazu verdammte unsägliche Qualen zu erdulden. Ausgerechnet er, der alle anderen heilen konnte, vermochte seinen eigenen Schmerz nicht zu lindern, geschweige denn, dass er seine Wunde heilen konnte.

Chiron zog sich in seine Höhle zurück und er versuchte mit wachsender Verzweiflung sein verwundetes Knie zu heilen. In der Mythologie ist nichts dem Zufall überlassen. Jeder einzelne Punkt einer mythologischen Geschichte ist wohlüberlegt und wenn etwas nicht eindeutig benannt wird, dann hat das die Absicht dem Leser Raum für eigene Interpretationen zu geben. Das Körperteil der Verwundung wurde in Chirons Fall eindeutig benannt und von daher kommt es nicht von ungefähr, dass Chiron ausgerechnet am Knie verwundet wurde, denn das Knie korrespondiert astromedizinisch mit Saturn. Knie-Probleme werden in der Astromedizin mit Saturn-Problemen in Verbindung gebracht. Chiron wurde also genau da verletzt, wo es ihn von Geburt an am meisten schmerzte, nämlich am väterlichen Erbe, denn sein Vater Saturn war ja der Ursprung seiner Pein. In Chirons Fall kommt zur Vater-Wunde auch noch die Mutter-Wunde hinzu, denn seine Mutter hätte vieles ausgleichen können, wenn sie zu ihrem Zentauren-Kind gestanden hätte. Wenn sie jedoch tatsächlich vergewaltigt worden ist, kann man ihr kaum zum Vorwurf machen, dass es ihr schwerfiel ihr Kind anzunehmen. Auch in dem Fall ist es problematisch einen eindeutigen Schuldigen zu finden.

Nicht einmal Chirons geliebte Frau Chariklo vermochte seinen Schmerz zu lindern und da der Zentaur göttlicher Abstammung war, konnte er nicht sterben. Jahr um Jahr stand Chariklo dem leidenden Chiron zur Seite, aber sie konnte nur hilflos mit ansehen wie ihr über alles geliebter Mann vor sich hin siechte. Als der Zentaur irgendwann keinen anderen Ausweg mehr wusste, bat er den Gottvater Jupiter darum ihm seine Unsterblichkeit zu nehmen und dafür den für immer zum Leid verdammten Prometheus zu erlösen. Prometheus war, im Gegensatz zu Chiron, nicht durch einen Unfall zum Leid verdammt, sondern wegen einer Straftat. Prometheus hatte den Göttern das Feuer gestohlen und es den Menschen zur Verfügung gestellt. Er wurde damit bestraft, dass er an einen Felsen gekettet wurde und Tag ein Tag aus kam ein Adler herbeigeflogen, der seine Leber auffraß. Da sich seine Leber aber immer wieder von selbst erneuerte, sollte sein Leid nie enden. Der Gott der Götter hatte entschieden, dass Prometheus nur von seinem Leid erlöst werden könnte, wenn ein Unsterblicher sein Leben für ihn opfern würde. Als Chiron sich dann anbot seine Unsterblichkeit für Prometheus zu opfern, war Jupiter über diesen heldenhaften Einsatz zutiefst gerührt, so dass er ihm zwar seine Unsterblichkeit als körperliches Wesen nahm, ihn dafür aber als Sternbild im Himmel verewigte. Fortan sollte Chiron als das Sternbild Zentaur für immer im Himmel verweilen.

Weiblicher Zentaur, 18. Jahrhundert, Bodleian Libary, Oxford  

Chiron im Widder

Die mythologischen Hintergründe sind wichtig, damit man die astrologische Bedeutung dieses Vollmonds besser verstehen kann. Chiron ist am 17.04.2018 das erste Mal seit 1977 in den Widder eingetreten. Chiron wird noch bis April 2027 durch den Widder laufen. Im Widder geht es um die Themen Mut, Kampfgeist, Willenskraft, Individualität, Unabhängigkeit, Selbständigkeit, Selbstbestimmtheit, Führungspersönlichkeit, Konfliktfähigkeit, Pioniergeist, Eigenmotivation und Antriebskraft. Der Widder verkörpert die männliche Energie in ihrer ursprünglichsten Form, wobei es hier nicht um das biologische Geschlecht geht, sondern um die aktive Kraft in Männern und Frauen. Im Widder geht es um das Thema Selbstbewusstsein, nicht unbedingt im Sinne von Selbstsicherheit, sondern viel mehr im Sinne von sich seiner Selbst bewusst sein. Im Widder geht es erst mal nur um die Beziehung zwischen Ich und Ich, unabhängig von den Beziehungen, die wir zu anderen Menschen haben.

Wer sind wir, wenn wir ganz alleine und unbeobachtet sind?

Was wollen wir, wenn keiner etwas von uns will und wenn wir nichts für andere wollen?

Wie verhalten wir uns, wenn wir auf niemanden Rücksicht nehmen müssen und wenn wir keine Rechenschaft ablegen müssen?

Verhalten wir uns aus eigenem Antrieb korrekt, auch wenn uns niemand beobachtet oder benehmen wir uns nur anständig, wenn wir irgendeine Form von Belohnung oder Bestrafung zu erwarten haben?

Welches unserer Bedürfnisse hat oberste Priorität, wenn wir uns nur um unsere eigenen Bedürfnisse kümmern müssen?

Was ist uns wirklich wichtig, unabhängig von dem, was anderen wichtig ist?

Was finden wir schön, was finden wir hässlich, was halten wir für richtig oder für falsch, wenn wir nur auf uns selbst hören, unabhängig von anderen?

Natürlich kann keiner von uns diese Fragen mit hundertprozentiger Sicherheit beantworten, denn keiner von uns ist vollkommen unbeeinflusst von anderen Menschen. Wir werden alle von unserer Familie, von Freunden, von Partnern, von Kollegen, von den Medien, von kulturellen, religiösen oder gesellschaftlichen Einflüssen geprägt. Die Entstehung unserer Persönlichkeit, um die es im Widder geht, ist keine Einbahnstraße, sie basiert auf einer Wechselwirkung zwischen Ich und Du und einer Dynamik zwischen unserer Innenwelt und unserer Umwelt. Und das ist auch gut so, denn der Mensch ist bekanntlich ein soziales Wesen. Wenn ein Mensch vollkommen unbeeinflusst von anderen Menschen ganz allein in der Wildnis aufwachsen würde, könnte man ihn höchstwahrscheinlich nicht von einem verwilderten Tier unterscheiden, ganz abgesehen davon, dass auch die meisten Tiere in komplexen sozialen Gefügen aufwachsen und sich von daher gegenseitig beeinflussen.

Persönlichkeitsentwicklung

Wir lernen von klein auf uns an andere anzupassen und uns auf sie einzustellen. Einige Charakterzüge betonen wir im Laufe der Zeit immer mehr, weil wir merken, dass wir auf eine bestimmte Art gut ankommen und weil uns gewisse Charakterzüge dazu verhelfen das zu bekommen, was wir haben wollen. Andere Charakterzüge rücken im Laufe der Zeit immer mehr in den Hintergrund, weil wir merken, dass wir mit ihnen anecken oder auf Ablehnung stoßen. Die Art, wie wir uns geben, wird durch das Feedback beeinflusst, das wir von anderen erhalten. Wir können unsere Stärken und unsere Schwächen durch den Kontakt zu anderen Menschen viel klarer erkennen. Der Spiegel, der uns im Du begegnet, ist ein wichtiger Teil der Sozialisation. Wir brauchen den Spiegel, der uns in unseren Beziehungen begegnet, denn ohne Spiegel würden wir wahrscheinlich vollkommen verwildern, ganz abgesehen davon, dass ein Leben ohne andere Menschen auch ziemlich einsam wäre.

Wahre Gefühle versus anerzogene Gefühle

Die Art, wie wir uns geben, muss nicht immer mit dem übereinstimmen, wie wir wirklich sind. Manchmal kann das, was wir von uns preisgeben und wie wir uns anderen gegenüber verhalten, stark von dem abweichen, wie wir uns tatsächlich fühlen. Und genau darum geht es mit dem Mond im Widder: wie fühlen wir uns wirklich? Was sind unsere wahren Gefühle und inwiefern werden unsere ursprünglichen Gefühle von anerzogenen Gefühlen überschattetet? Zwischen wahren Gefühlen und anerzogenen Gefühlen besteht ein großer Unterschied. Wenn uns z.B. in unserer Kindheit immer wieder eingeredet wurde, wir würden unsere Mutter traurig machen, wenn wir uns so und so verhalten, können unsere wahren Gefühle von dem überlagert werden, was uns suggeriert wurde, wie wir uns fühlen sollten. Wir können uns für etwas schämen oder verantwortlich fühlen, was gar nichts mit uns zu tun hat. Wenn wir uns später im Leben in ähnlichen Situationen befinden, haben wir unter Umständen keinen Zugang zu unseren wahren Gefühlen, wir nehmen viel mehr die anerzogenen Gefühle wahr und wir reagieren aufgrund der anerzogenen Gefühle.

Der Vollmond im Widder kann uns dazu verhelfen mehr mit unseren wahren Gefühlen in Kontakt zu sein. Dazu brauchen wir den Widder typischen Mut auch das Unschöne, Wilde und Ungeschliffene als einen Teil unserer Selbst anzunehmen. Mit dem Mond im Widder können Gefühle sehr heftig und intensiv sein. Aber wenn wir sie zulassen, können sie kommen und gehen wie ein reinigendes Gewitter. Das bedeutet nicht, dass man nun anderen gegenüber alle Gefühle ungebremst ausdrücken sollte. Im Widder geht es, wie bereits erwähnt, erst mal nur um die Beziehung zwischen Ich und Ich. Wenn wir mit uns selbst ins Reine kommen, können wir auch anderen gegenüber klar sein.

Ich und Ich

Wir sollten uns in den Jahren, in denen Chiron durch den Widder läuft, immer wieder mit den genannten Fragen auseinandersetzen, denn die tiefste und schmerzhafteste chironische Wunde kann mit Chiron im Widder im Individualitäts- und Selbst-Bewusstsein liegen. Wer bin ich, wenn ich allein bin? Kann ich mich selbst klar erkennen, wenn ich kein Feedback von anderen erhalte? Kann ich mich für etwas einsetzen, auch wenn ich mich alleine dafür einsetzen muss? Welchen Sinn hat es etwas Gutes zu tun, wenn keiner es erfährt? Was bin ich (mir) wert, wenn keiner mich „liked“? Was bringt es mir den Jakobsweg zu gehen, wenn ich keinen Erlebnisbericht darüber verfasse und niemandem von meinen Erfahrungen erzähle? Kann ich allein einen Besuch auf dem Eiffelturm genießen, ohne ein Selfie davon zu posten? Kann ich meine Meinung vertreten, auch wenn ich damit auf Gegenwind stoße? Macht es mir Spaß ein Bild zu malen, ohne dass ich es jemandem zeige? Kann ich mich über etwas freuen, wenn sich keiner mit mir freut? Kann ich mir selbst der Partner sein, den ich mir wünsche? Bin ich mir selbst mein bester Freund oder bin ich mir viel öfter mein ärgster Feind?

Die Beziehung zwischen Ich und Ich, um die es im Widder geht, wird durch den Transit von Chiron in diesen Jahren immer wieder herausgefordert, denn hier wollen eventuelle Verletzungen erkannt und nach und nach geheilt werden. Da die Beziehung zwischen Ich und Ich auch die Grundlage für die Beziehung zwischen Ich und Du bildet, hängen viele private und berufliche Entscheidungen und Entwicklungen von ihr ab. Die Beziehungen, die wir zu anderen Menschen haben, werden von der Beziehung, die wir zu uns selbst haben, entscheidend beeinflusst. Umgekehrt können die Beziehungen, die wir zu anderen Menschen haben, die Beziehung, die wir zu uns selbst haben, positiv oder negativ beeinflussen. Auch gesellschaftliche Entwicklungen werden erheblich davon beeinflusst wie gut sich der Einzelne mit sich selbst versteht und wie er oder sie zu sich steht, denn ein Volk, das mehrheitlich aus starken Individuen besteht, ist ein selbstbewusstes Volk, das sich nicht an der Nase herumführen lässt. Ein Volk, das hauptsächlich aus Menschen besteht, die kein gutes Verhältnis zu sich selbst haben und die nicht für sich einstehen, ist ein leicht beeinflussbares Volk.

Sternbild Widder, Till Credner, Wikimedia

Nur ich kann das

Obwohl Chiron und seine Frau mit einer starken Liebe zueinander gesegnet waren, konnte Chariklo ihrem Mann nicht dabei helfen seine Wunde zu heilen. Sie konnte ihm all die Jahre geduldig zur Seite stehen, aber sie konnte seinen Heilungsweg nicht für ihn gehen und sie konnte ihm seinen Schmerz nicht abnehmen.

Chiron konfrontiert uns nicht nur mit Verletzungen, er bietet uns auch ein besonderes Bewusstwerdungs- und Heilungspotential. Im Widder geht es um etwas, das wir nur (für uns) selbst tun können. Andere können uns auf unserem Weg begleiten, aber nur wir selbst können einen Fuß vor den anderen setzen. Keiner kann unser inneres Feuer lebendig halten, wenn wir unsere innere Flamme nicht immer wieder selbst nähren. Keiner kann uns zu etwas motivieren, wenn wir uns nicht auch selbst motivieren. Keiner kann genau das fühlen, was wir fühlen und genau das denken, was wir denken. Wir können unsere Gedanken und Gefühle mit anderen teilen oder - genauer gesagt – wir können sie anderen mitteilen, aber jeder von uns ist letztlich alleine mit seinen Gedanken und Gefühlen. Wenn wir Schmerzen empfinden, können andere versuchen unseren Schmerz nachzuempfinden, aber keiner von uns wird je wissen, wie es wirklich ist der oder die andere zu sein. Diese Erkenntnis ist tief verwurzelt im Archetyp Widder, ihr entstammt sein Individualitätsbewusstsein und auch seine Selbständigkeit basiert auf dieser Erkenntnis.

Authentizität

Wir sprechen heute so oft von Authentizität, ein wesentliches Stichwort für die astrologische Bedeutung des Widders, aber inwieweit wollen wir wirklich authentisch sein? Im Zeitalter der sozialen Netzwerke und der andauernden Beeinflussung durch alle möglichen Medien fällt es vielen Menschen zunehmend schwer einfach „nur“ sie selbst zu sein. Die kunstvoll inszenierten Bilder, die tagtäglich auf uns einstürmen, die meistens ein vollkommen unrealistisches Schönheits- und Lebensstilideal verkörpern, vermitteln uns die Illusion, dass es unheimlich viele perfekte Menschen gibt, die ein unheimlich perfektes Leben führen. Auch wenn der eine oder andere hier und da einen Blick hinter die Kulissen gewährt, scheint selbst das Unperfekte so perfekt in Szene gesetzt zu sein, dass es immer eine bestimmte Absicht zu verfolgen scheint. Abgesehen vom Druck der unrealistischen Schönheits- und Lifestyle-Ideale, kann sich auch der Hass in den sozialen Medien so schnell verbreiten wie ein außergewöhnlich aggressiver Virus. Unter den jüngeren Generationen, die schon unter der eisernen Knute der sozialen Medien aufgewachsen sind, sind Selbstzweifel, Identitätsprobleme, Depressionen, Angststörungen, selbstverletzendes Verhalten und Suizidgedanken so weit verbreitet, wie noch nie und sogar diese Probleme lassen sich dann wiederum vermarkten, indem man prompt ein Video zum Thema postet und sich dafür feiern lässt.

Die Beziehung zwischen Ich und Ich rückt immer mehr in den Hintergrund und sie droht zunehmend zu verkümmern. Die Aufmerksamkeit wird immer mehr darauf gelegt wie man sich am besten in Szene setzen kann, damit man bei anderen Eindruck schinden kann. Dabei geht es aber eher selten darum wirklich mit anderen in Beziehung zu treten. Die anderen sollen einem die Bestätigung geben, dass man als Individuum existiert und dass man in irgendeiner Form wichtig ist.

Interessanterweise lief Uranus, der Planet der den technischen Fortschritt, Gruppendynamiken und den Zeitgeist symbolisiert, von 2010 bis 2019 durch den Widder, dicht gefolgt von Chiron, der Uranus 2019 mit seinem endgültigen Eintritt in den Widder* abgelöst hat. Ab 2010 sind immer mehr Menschen den sozialen Netzwerken beigetreten. Auch wenn die sozialen Medien für den Einzelnen und für das Kollektiv tatsächlich viele positive Entwicklungen angestoßen haben, zeigen sich viele schädliche Auswirkungen dieser Medien immer deutlicher**. Die Wunde, die durch Chiron symbolisiert wird, folgt den technischen Entwicklungen und den Gruppendynamiken, die durch Uranus symbolisiert werden, auf dem Fuße.

* siehe Daten am Textende

** eine interessante Doku zum Thema soziale Medien läuft gerade auf Netflix „The Social Dilemma“ https://www.thesocialdilemma.com/

Wie bereits erwähnt geht es im Widder um etwas, das wir nur selbst tun können und dass uns niemand abnehmen kann. Nur wir selbst können darüber entscheiden wie wir die sozialen Medien nutzen. Wir haben die sprichwörtliche Qual der Wahl. Wir können diese phantastischen Medien, die uns so großartige Möglichkeiten bieten, auf eine Art nutzen, die unser Leben bereichert, wir können uns aber auch von ihnen benutzen lassen und wir können unsere Individualität, unsere Integrität und unsere Werte im virtuellen Raum verlieren.

Auch die älteren Generationen, die nicht unter dem Einfluss der sozialen Medien aufgewachsen sind, haben ihr Päckchen zu tragen. Immer mehr Frauen unterziehen sich schmerzhaften und oft gefährlichen kosmetischen Operationen und wenn das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage stimmt, scheinen immer mehr Männer unter Potenzstörungen zu leiden, um nur einige Probleme unserer Zeit zu nennen. Ein gesundes Selbstbewusstsein dürfte also für jung und alt gleichermaßen erstrebenswert sein. Ein gesundes Selbstbewusstsein bekommt man nicht, indem man sich von Fremdbestätigung abhängig macht. Wenn man sich zu sehr von der Bestätigung von anderen abhängig macht, kann man kaum man selbst sein oder – als junger Mensch - überhaupt erst mal man selbst werden. Natürlich ist es angenehm, wenn wir uns gegenseitig toll finden, aber es kann nicht der Sinn des Lebens sein nach den Vorstellungen von anderen zu leben, zumal "die anderen" ja nicht mal nach ihren eigenen Vorstellungen leben. Wenn wir es uns gegenseitig immer recht machen wollen, werden wir uns selbst nicht mehr gerecht. Auf der anderen Seite wären wir beziehungsunfähig und wir würden uns unsozial verhalten, wenn wir kompromisslos unser Ding durchziehen würden. Auch die Entwicklung unserer Persönlichkeit würde dann in wichtigen Punkten brachliegen, denn die Persönlichkeitsentwicklung wird durch einen Austausch zwischen unterschiedlichen Persönlichkeiten immer wieder aufs Neue angeregt. Unsere Persönlichkeit ist kein starres Gebilde, sie ist ein Leben lang entwicklungsfähig.

Unsere Lebensqualität wird erheblich von der Qualität unserer Beziehungen beeinflusst und um eben diese geht es in der gegenüberliegenden Waage, in der sich die Sonne zum Vollmond befindet. Wir können uns also fragen wie zufrieden wir aktuell in unseren Beziehungen sind und in welchen Beziehungen jetzt vielleicht etwas Wichtiges geklärt werden muss. In der Waage geht es um Beziehungen, die auf Gleichwertigkeit basieren und hier geht es darum Win-Win-Situationen zu schaffen. Die Waage-Themen werden uns noch länger begleiten, denn Merkur wird am 14.10. im Skorpion, im Zeichen der geteilten Ressourcen und der gemeinsamen Werte, rückläufig und er wird dann in die Waage zurücklaufen. Der Kommunikationsplanet wird während seiner Rückläufigkeitsphase mehrere Spannungsaspekte (Quadrate) zu Saturn im Steinbock bilden, was darauf hinweist, dass in diesen Wochen sehr wichtige Gespräche anstehen, die über vieles entscheiden werden. Auf den rückläufigen Merkur gehe ich dann aber ein anderes Mal ein...

Vollmondzeit = Verbindungszeit

Da ein Vollmond uns immer darin unterstützen kann eine Verbindung zwischen polar entgegengesetzten Zeichen herzustellen, kann uns ein Vollmond auf der Ich-und-Du-Achse dazu verhelfen ein Gleichgewicht zwischen den Widder-Themen und den Waage-Themen herzustellen. Während es im Widder um die Beziehung zwischen Ich und Ich geht, geht es in der gegenüberliegenden Waage um die Beziehung zwischen Ich und Du und um das Wir-Gefühl, das dadurch entsteht. Wir sollten uns fragen, ob wir nun eher in der Beziehung zu uns selbst etwas verändern wollen, ob wir den Fokus jetzt auf eine bestimmte Beziehung zu einem anderen Menschen legen wollen oder ob in beiden Beziehungen eine Anpassung vorgenommen werden sollte. Am Bild einer Waage lässt sich leicht erkennen: das eine bedingt das andere.

Einige Fragen, die Du Dir zum Vollmond im Widder stellen kannst:

Gibt es bestimmte Tabu-Themen, die Dich sehr belasten und die Dich sehr einschränken?

Gibt es etwas wofür Du Dich sehr schämst?

Hast Du eine ungewöhnliche Angst vor Ablehnung oder hast Du eine tatsächliche Ablehnung erlebt, die Du bisher noch nicht verarbeiten konntest?

Gibt es etwas sehr Schmerzhaftes, was Dir widerfahren ist, an dem weder Du noch andere wirklich Schuld sind? Haderst Du deshalb sehr mit Deinem Schicksal und versuchst Du einen Schuldigen zu finden?

Hast Du eine Verletzung erlitten, mit der Du Dich so sehr identifizierst, dass diese „Wunde“ Deiner Meinung nach Deine Persönlichkeit definiert?

Machst Du oft etwas, wobei Du Dich nicht authentisch fühlst, nur um anderen zu gefallen, obwohl Du Dich dann unwohl dabei fühlst?

Kannst Du Dich für Dich selbst genauso gut einsetzen, wie für andere?

Hast Du das Gefühl, dass Deine Beziehungen im Großen und Ganzen gleichwertig sind und dass beide Seiten in der Regel versuchen Win-Win-Situationen zu schaffen?

Neigst Du dazu Dich übermäßig abhängig von anderen zu machen oder machst Du umgekehrt oft die Erfahrung, dass andere zu sehr an Dir hängen?

Möchtest Du in einem bestimmten Bereich mutiger sein?

Kannst Du Dich daran erfreuen etwas alleine zu unternehmen oder etwas nur für Dich zu tun?

Möchtest Du aktuell in der Beziehung zu Dir selbst und/oder in der Beziehung zu anderen etwas Wichtiges verändern?

Viele liebe Grüße mit den Sternen

Lia

Transit von Chiron im Widder:

Chiron 00°00´00´´ Widder 17.04.2018 10:09:37 MEZ/S

Chiron 00°00´00´´ Widder 26.09.2018 02:11:20 MEZ/S

Chiron 00°00´00´´ Widder 18.02.2019 10:07:45 MEZ

Chiron 00°00´00´´ Stier 19.06.2026 23:17:48 MEZ/S

Chiron 00°00´00´´ Stier 18.09.2026 03:53:24 MEZ/S

Chiron 00°00´00´´ Stier 14.04.2027 16:56:34 MEZ/S

Am 25.09.2018 fand der erste Vollmond im Widder in Konjunktion zu Chiron statt

Am 24.03.2020 fand ein Neumond in Konjunktion zu Chiron im Widder statt

Wichtige langfristige Themen der astrologischen Zeitqualität:

Mondknoten in Zwillinge-Schütze 2020 - 2022:

https://symbolsysteme.blogspot.com/2020/04/mondknoten-in-zwillinge-schutze-2020.html

Saturn in Wassermann 2020 - 2023:

https://symbolsysteme.blogspot.com/2020/03/saturn-im-wassermann-2020-bis-2023.html

und:

https://symbolsysteme.blogspot.com/2020/03/saturn-im-wassermann-2020-bis-2023-video.html

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23.09.2020
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Tag-und-Nachtgleiche, die perfekte Zeit um die männlichen und weiblichen Energien ins Gleichgewicht zu bringen. Der Oktober 2o2o wird uns viel Gelegenheit dazu geben. Dazu bald mehr auf diesem Kanal, äh, Blog...*)))

 

Reiki zur Balance der Yin- und Yang-Energien:

 

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